DRK-Rettungsdienst Meißen gemeinnützige GmbH
Loosestr. 15
01662 Meißen
Tel.: (03521) 734400
Fax: (03521) 733444
Wer kennt nicht diese Situation. Man ist im Auto unterwegs, auf einmal hört man ein immer lauter werdendes Martinshorn. Aus welcher Richtung kommt es nur? Muss ich an den Rand fahren, Platz machen und somit den mit Blaulicht kommenden Einsatzfahrzeugen freie Fahrt ermöglichen oder ist es doch "bloß" auf der Gegenrichtung unterwegs?
Solch einen Einsatz aus Sicht eines angehenden Rettungsassistenten, wie er täglich im Rettungsdienst vorkommen kann, möchte ich hier schildern.
Allgemeines
Unsere Rettungswache in Meißen befindet sich in dem selben Gebäude wie die Rettungsleitstelle des Landkreises Meißen. Von hier aus fahren unser Rettungswagen (RTW) sowie unsere Krankentransportwagen (KTW) zu ihren Einsätzen.
Unser Notarzteinsatzfahrzeug (NEF) ist direkt am Krankenhaus Meißen stationiert, von wo es jederzeit den diensthabenden Notarzt zu seinen Einsätzen fährt.
Mit dieser Stationierung ist gewährleistet, dass die Rettungskräfte innerhalb der Hilfsfrist von zwölf Minuten nach Eingang des Notrufes beim Patienten vor Ort sind.
Vom Notruf bis zum Krankenhaus:
An einem Frühlingstag im Monat März 2006 ging gegen 9.30 Uhr bei der Rettungsleitstelle Meißen über die Notrufnummer 112 ein Notruf ein. Es werden die folgenden Daten aufgenommen: Notfallort, Name des Anrufers und des Patienten.
Während die Leitstelle nähere Auskünfte über den Zustand des Patienten, wie z. B. wo und was für Beschwerden, ob er bei Bewusstsein ist oder nicht, erfragt, sucht der Computer den am nächsten stationierten RTW, in unserem Fall Meißen, aus. Dorthin setzt der Mitarbeiter der Leitstelle die Meldung ab.
Der Anrufer wird gebeten, bei dem Patienten zu bleiben und das Telefon wegen eventueller Rückfragen in Reichweite zu haben.
Über Funkmeldeempfänger (FME oder auch Piepser genannt) empfangen die Rettungsassistenten auf der Rettungswache die nur kurz gehaltene Meldung auf dem Display: Alarmstichwort, Alarmierungszeit, Einsatznummer, Einsatzort sowie Name des Patienten. Das Alarmstichwort entscheidet auch darüber, ob die Leitstelle gleichzeitig den Notarzt zu dem Notfall schickt.
Wir wurden um 9.32 Uhr mit dem Einsatzauftrag "hypertensive Krise" alarmiert. Bei diesem Einsatzauftrag ist auch der Notarzt zu alarmieren, der zu dieser Zeit aber noch bei einem anderen Notfall im Einsatz war.
Mit Blaulicht und Martinshorn rückten wir aus und trafen um 9.37 Uhr am Notfallort ein.
Wir nahmen EKG (Gerät zum Messen der Herzaktivitäten), Medumat (Beatmungsgerät) und Notfallkoffer mit zu dem auf der Straße liegenden Patienten. Er befand sich bei unserem Eintreffen in der stabilen Seitenlage, war bewusstlos mit einer sichtbaren Zyanose, woraufhin wir umgehend den Notarzt nachforderten.
Zyanose ist eine Blaufärbung von Haut und Schleimhäuten. Diese wird meist durch eine Beeinträchtigung der Atmung, welche zu einer Sauerstoffminderversorgung der Zellen führt, ausgelöst.
Ronald überprüfte sofort die Vitalfunktionen. Dazu gehört die Bewusstseinskontrolle, Atmungskontrolle sowie Pulskontrolle. Während dessen machte ich das EKG zum sogenannten Cross Check bereit. Ein Cross Check ist die sofortige Kontrolle der Herztätigkeit mit den Peddles des EKG´s. Das EKG zeigte keinen Herzschlag mehr, sondern nur noch ein Herzflimmern an. Daraufhin setzte Ronald einen präkordialen Faustschlag und überprüfte nochmals mit dem EKG die Herztätigkeit. Da weiterhin ein Herzflimmern zu sehen war, musste er sofort mit 360 Joule defibrillieren.
Ich bereitete während dessen den Beatmungsbeutel vor und klebte die EKG Elektroden auf den Oberkörper des Patienten, die ich mit dem EKG verkabelte.
Mandy stellte alles für das Flexülelegen zusammen und legte die Instrumente für die Intubation bereit. Dazu gehören Laryngoskop, Endotrachealtubus, Blockerspritze, Führungsstab, Absauganlage, Stethoskop sowie Fixiermaterial (Thomasholder).
Die weitere Reanimation führte Ronald mit 30 mal Herzdruckmassage und 2 mal Beatmung durch.
Nach fünf solchen Zyklen war immer noch ein Herzflimmern auf dem EKG zu sehen, welches eine nochmalige Defibrillation mit 360 Joule notwendig machte. Vor der Intubation, welche notwendig war, um eine bessere Beatmung zu gewährleisten, musste noch ein Reanimationszyklus zur Herz-, Lungenwiederbelebung (HLW) durchgeführt werden. Bei der Intubation wird ein sogenannter Endotrachealtubus in die Luftröhre eingeführt. Über diesen kann der Patient effektiv beatmet werden.
Die HLW wurde nach erfolgreicher Intubation fortgeführt.
Während ich 1 mg Adrenalin und 9 ml NaCl sowie 3 mg Adrenalin und 7 ml NaCl aufzog, traf der Notarzt ein. Dieser legte sofort die vorbereitete Flexüle und verabreichte die Medikamente über Tubus und Flexüle. Weiterhin schloss er 500 ml Jonosteril Infusionslösung an, damit sich die verabreichten Medikamente schneller im Körperkreislauf verteilen und um Flüssigkeit dem Körper zuzuführen. Der Patient wurde von uns mit der Trage unter laufender Reanimation in den RTW gebracht. Da bei dem Patienten ein erneutes Herzflimmern auftrat, musste der Notarzt wiederum zwei mal mit 360 Joule defibrillieren. Das EKG zeigte daraufhin einen bradykarden (langsamen) Herzrhythmus. Um den Rhythmus zu erhöhen verabreichte der Notarzt 1 mg Alupent. Es trat wiederum ein Herzflimmern auf, so dass erneut zwei mal defibrilliert und 1 mg Adrenalin verabreicht werden musste. Durch diese Maßnahmen bekam der Patient einen tachykarden (schnellen) Herzrhythmus. Der Notarzt legte noch zur Kreislaufsicherung einen zentral venösen Zugang in die rechte Leistenvene, über welchen er 500 ml Haes 6% Infusionslösung verabreichte, um den Blutdruck zu stabilisieren.
Da sich zu diesem Zeitpunkt der Zustand des Patienten leicht stabilisiert hatte, schnallten wir ihn auf der Trage an und fuhren mit Sonder- und Wegerecht und in größter Eile ins Krankenhaus Meißen, wo wir ihn direkt auf die Intensivstation brachten.
Dort wird der Patient von den diensthabenden Ärzten und Schwestern übernommen und sofort an die notwendigen Überwachungen angeschlossen. Der Notarzt füllt sein Rettungsdienstprotokoll aus, auf welchen er vermerkt, wie der Patient vorgefunden und versorgt wurde.
Zurück in der Rettungswache:
Gegen 11.00 Uhr waren wir wieder zurück auf der Rettungswache. Hier wird der Rettungswagen innen gereinigt und desinfiziert. Alle Verbrauchsmaterialien und Medikamente werden wieder aufgefüllt, damit uns beim nächsten Einsatz nichts fehlt.
Abschließend wird der Einsatzablauf noch einmal besprochen.
Etwas später:
Nach ca. 14 Tagen teilte uns der Notarzt mit, dass der Patient sich auf dem Weg der Besserung befindet.
Diesen Bericht schrieb Torsten Keller über den Rettungsdienst der DRK Rettungsdienst Meißen gGmbH mit seiner Lehrrettungswache Meißen und den Außenstellen Radebeul und Lommatzsch.




























